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Geldanlage

Anleihen im ETF-Depot: Sinnvolle Beimischung oder überflüssig?

29. Juli 2026 · 6 Min. Lesezeit

Wer sich mit einem reinen Aktien-ETF-Depot beschäftigt, stößt früher oder später auf die Frage, ob eine Beimischung aus Anleihen sinnvoll wäre. Die Antwort hängt weniger vom Depotvolumen ab als von zwei Fragen: Wie lange bleibt das Kapital investiert, und wie viel Schwankung ist tatsächlich auszuhalten, ohne in einer Verlustphase panisch zu verkaufen? Dieser Artikel erklärt, wie Anleihen-ETFs funktionieren, worauf die Duration Einfluss nimmt und wo die steuerliche Behandlung von Aktien-ETFs abweicht.

Das Wichtigste in Kürze
  • Anleihen-ETFs bilden Staats- oder Unternehmensanleihen ab und schwanken in der Regel deutlich weniger stark als Aktien-ETFs.
  • Entscheidend für das Risiko ist die Duration: Je länger die Restlaufzeit der enthaltenen Anleihen, desto stärker reagiert der Kurs auf Zinsänderungen.
  • Anleihen gelten als Stabilisator im Depot, sind aber kein Renditemotor – ihr Zweck ist geringere Schwankung, nicht höherer Ertrag.
  • Steuerlich erhalten reine Anleihen-ETFs anders als Aktien-ETFs keine Teilfreistellung – der volle Ertrag unterliegt der Abgeltungsteuer.
  • Für einen langen Anlagehorizont mit hoher Schwankungsbereitschaft reicht häufig ein reiner Aktien-ETF; eine Anleihen-Beimischung wird vor allem bei kürzerem Horizont oder geringerer Risikobereitschaft relevant.

Staatsanleihen und Unternehmensanleihen: Zwei unterschiedliche Risikoprofile

Ein Anleihen-ETF bündelt viele einzelne Anleihen zu einem breit gestreuten Produkt, ähnlich wie ein Aktien-ETF viele Einzelaktien bündelt. Staatsanleihen-ETFs, etwa auf Bundesanleihen oder breit gestreute Staatsanleihen der Eurozone, gelten wegen der meist guten Bonität der Emittenten als vergleichsweise risikoarm. Unternehmensanleihen-ETFs bieten dafür in der Regel eine höhere laufende Verzinsung, tragen aber zusätzlich ein Kreditrisiko: Verschlechtert sich die Bonität eines Unternehmens oder fällt es aus, wirkt sich das direkt auf den Kurs der Anleihe aus. Je nach gewünschtem Risikoprofil lässt sich beides einzeln oder kombiniert über breit gestreute ETFs abbilden.

Duration: Der wichtigste Hebel für das Zinsrisiko

Die Duration beschreibt näherungsweise, wie stark der Kurs eines Anleihen-ETFs auf eine Zinsänderung reagiert. Bei einer Duration von 7 führt ein Zinsanstieg um einen Prozentpunkt zu einem Kursverlust von rund 7 %, ein Zinsrückgang zu einem entsprechenden Kursgewinn. Kurzläufer-ETFs mit Restlaufzeiten von 1 bis 3 Jahren haben eine niedrige Duration und schwanken entsprechend wenig, bieten dafür meist eine niedrigere laufende Verzinsung. Langläufer-ETFs mit Restlaufzeiten von 10 Jahren oder mehr schwanken deutlich stärker, können aber bei fallenden Zinsen überproportional profitieren. Wer eine Anleihen-Beimischung primär zur Stabilisierung des Depots nutzen möchte, greift meist eher zu Kurz- oder Mittelläufern statt zu Langläufern.

Warum Anleihen kein Renditemotor sind

Der Zweck einer Anleihen-Beimischung ist nicht, die Rendite des Depots zu erhöhen, sondern die Schwankung zu reduzieren. In den meisten Marktphasen entwickeln sich Anleihen und Aktien unterschiedlich, sodass Verluste bei Aktien teilweise durch stabilere oder sogar steigende Anleihenkurse abgefedert werden. Das ist aber keine feste Regel: In Phasen stark steigender Zinsen können Aktien- und Anleihenkurse gleichzeitig fallen, weil höhere Zinsen sowohl Aktienbewertungen als auch bestehende Anleihen mit niedrigerem Kupon belasten. Anleihen reduzieren die Schwankung im Durchschnitt über die Zeit, garantieren aber keinen Schutz in jeder einzelnen Marktphase.

Steuerliche Behandlung: Keine Teilfreistellung wie bei Aktien-ETFs

Ein Punkt, der bei der Depotplanung häufig übersehen wird: Reine Anleihen-ETFs erhalten keine Teilfreistellung. Nach dem Investmentsteuergesetz richtet sich die Teilfreistellung nach der Aktienquote eines Fonds – Aktienfonds mit mindestens 51 % Aktienanteil bekommen 30 % Teilfreistellung, Mischfonds mit mindestens 25 % Aktienanteil 15 %. Anleihen-ETFs halten keine Aktien und fallen unter keine dieser Stufen, sodass der komplette Ertrag der Abgeltungsteuer von 26,375 % zzgl. Kirchensteuer unterliegt, soweit der Sparerpauschbetrag bereits durch andere Kapitalerträge ausgeschöpft ist. Bei einem gemischten Depot aus Aktien- und Anleihen-ETFs lohnt es sich deshalb, die steuerliche Wirkung beider Bausteine getrennt zu betrachten statt nur auf die Gesamtrendite zu schauen.

Typische Fehler bei der Anleihen-Beimischung

  • Langläufer wählen, obwohl das Kapital bald gebraucht wird, und damit unnötig hohe Kursschwankungen in Kauf nehmen.
  • Anleihen pauschal als schwankungsfrei betrachten, obwohl auch Anleihenkurse – insbesondere bei hoher Duration – spürbar schwanken können.
  • Unternehmensanleihen mit Staatsanleihen gleichsetzen, obwohl das Kreditrisiko sich deutlich unterscheidet.
  • Die steuerliche Wirkung ignorieren und Anleihen-ETFs wie Aktien-ETFs mit 30 % Teilfreistellung kalkulieren.
  • Bei sehr langem Anlagehorizont trotzdem hohe Anleihenquoten halten, obwohl die Schwankung eines reinen Aktien-ETFs über 15 Jahre oder mehr meist gut auszuhalten ist.

Wie eine Anleihen-Beimischung in Ihre Depotstruktur passt

Ob und in welchem Umfang sich Anleihen lohnen, hängt eng mit der Zielgewichtung des gesamten Depots zusammen. Wie diese Gewichtung über die Zeit stabil gehalten wird, beschreibe ich im Artikel Rebalancing im ETF-Depot. Welche Prinzipien bei der grundsätzlichen Aufteilung eine Rolle spielen, zeigt Was macht eine gute Anlagestrategie aus?. Und wie sich eine konkrete monatliche Sparrate auf verschiedene Bausteine verteilen lässt, beschreibe ich in 500 Euro im Monat anlegen. Für die individuelle Ausgestaltung Ihrer Depotstruktur finden Sie mehr auf der Leistungsseite Depot & Vermögensverwaltung.

Ob eine Anleihen-Beimischung für Ihren Anlagehorizont und Ihre Risikobereitschaft sinnvoll ist, lässt sich am besten anhand Ihrer konkreten Situation klären. Vereinbaren Sie dazu ein kostenfreies Erstgespräch – gemeinsam schauen wir, welche Gewichtung zu Ihrem Depot passt.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuerberatung. Steuerliche Rahmenbedingungen wie die Teilfreistellung nach dem Investmentsteuergesetz werden regelmäßig angepasst und können sich seit Veröffentlichung dieses Artikels geändert haben. Für eine auf Ihre persönliche Steuersituation zugeschnittene Einschätzung ziehen Sie zusätzlich einen Steuerberater hinzu.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Staats- und Unternehmensanleihen-ETFs?

Staatsanleihen-ETFs bilden Anleihen von Staaten ab, meist mit guter Bonität wie Deutschland oder breit gestreut über die Eurozone – das Ausfallrisiko gilt als vergleichsweise gering. Unternehmensanleihen-ETFs bilden Anleihen von Unternehmen ab und bieten dafür in der Regel eine höhere Verzinsung, tragen aber ein zusätzliches Kreditrisiko: Gerät ein Unternehmen in Schieflage, kann das die Anleihe im Wert mindern oder im Extremfall zum Ausfall führen.

Was bedeutet Duration konkret für mein Depot?

Die Duration gibt näherungsweise an, um wie viel Prozent sich der Kurs eines Anleihen-ETFs bei einer Zinsänderung von einem Prozentpunkt bewegt. Ein ETF mit einer Duration von 7 verliert bei einem Zinsanstieg um 1 Prozentpunkt rund 7 % an Wert, bei einem Zinsrückgang gewinnt er entsprechend. Kurzläufer-ETFs mit niedriger Duration schwanken deutlich weniger als Langläufer-ETFs, bieten dafür meist eine niedrigere laufende Verzinsung.

Sind Anleihen immer der 'sichere Hafen' im Depot?

Nicht pauschal. In den meisten Marktphasen entwickeln sich Anleihen und Aktien unterschiedlich, sodass Anleihen Verluste bei Aktien teilweise abfedern. Es gibt aber auch Phasen, in denen beide Anlageklassen gleichzeitig fallen – etwa wenn stark steigende Zinsen sowohl Aktienbewertungen als auch Anleihenkurse belasten. Anleihen reduzieren die Schwankung im Depot im Durchschnitt, sind aber keine Garantie gegen gleichzeitige Verluste in jeder Marktlage.

Warum gibt es bei Anleihen-ETFs keine Teilfreistellung wie bei Aktien-ETFs?

Die Teilfreistellung nach dem Investmentsteuergesetz ist gestaffelt nach der Aktienquote eines Fonds: Aktienfonds mit mindestens 51 % Aktienanteil erhalten 30 % Teilfreistellung, Mischfonds mit mindestens 25 % Aktienanteil 15 %. Reine Anleihen-ETFs halten keine Aktien und fallen unter keine dieser Kategorien – der gesamte Ertrag unterliegt daher in voller Höhe der Abgeltungsteuer von 26,375 % zzgl. Kirchensteuer, soweit der Sparerpauschbetrag bereits ausgeschöpft ist.

Ab welchem Depotvolumen lohnt sich eine Anleihen-Beimischung?

Es gibt keine feste Untergrenze – entscheidend ist weniger das Volumen als der Anlagehorizont und die persönliche Schwankungsbereitschaft. Bei einem sehr langen Horizont von 15 Jahren oder mehr und hoher Risikotragfähigkeit reicht für viele Anleger:innen ein reiner Aktien-ETF aus. Rückt der Zeitpunkt näher, an dem das Kapital gebraucht wird, oder soll die Schwankung im Depot spürbar reduziert werden, wird eine Anleihen-Beimischung unabhängig vom Volumen relevant.

Kann ich Anleihen-ETFs auch besparen, oder eignen sie sich nur für eine Einmalanlage?

Anleihen-ETFs lassen sich genauso per Sparplan besparen wie Aktien-ETFs. In der Ansparphase mit noch langem Horizont überwiegt bei den meisten Anleger:innen jedoch der Aktienanteil deutlich, und die Anleihenquote wird erst mit zunehmender Nähe zum Zielzeitpunkt schrittweise erhöht – ein Ansatz, der in der Praxis auch als Lebenszyklusmodell bekannt ist.

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